Rom, 15.-23.
März
2008


Sein, erscheinen, mitteilen: Unterhaltung und Glücklichsein in der Multimedia-Gesellschaft



Mitten im täglichen Geschehen, das uns oft kaum Zeit zum Atmen lässt, eröffnen sich gelegentlich am Horizont Möglichkeiten zu Unterhaltung und Ablenkung. Manchmal sind diese vorhersehbar (Ferien, Wochenenden,...) und erlauben daher frühzeitige Planung.

In anderen Fällen sind sie lediglich kleine, unverhoffte Zeitinseln im Treiben des akademischen Alltags: dann ist Improvisation angesagt. In beiden Fällen handelt es sich um Zeiten nicht notwendiger, durch Verpflichtungen vorherbestimmter Beschäftigung; Zeiten, die zur freien Verfügung offen stehen.

Durch die Vielzahl an audiovisuellen Mitteln haben sich in den letzten Jahren völlig neue Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung aufgetan. Eine Geschichte kann im Kino beginnen und später im Videospiel fortgeführt werden.

Der Seher bleibt nicht mehr bloß passiver Empfänger, sondern verwandelt sich in einen Protagonisten. Vom Moment an, indem er das Kommando übernimmt, ist er es, der über das Geschehen auf immer spektakuläreren Bühnen bestimmt, in denen die Qualität der Graphik jenen des Animationskinos immer näher kommen.

Im Cyberspace – dem technologischen Universum, das uns umgibt – vervielfältigen sich die Möglichkeiten; es kommt zu einer neuen Umwälzung, da die Unterhaltung sogar die sogenannten Leerzeiten erobert, wie etwa Wegzeiten: in der U-Bahn oder im öffentlichen Autobus nähert sich die Zahl der Wiedergabegeräte wie mp3, iPod, o.ä. jener der Fahrgäste an; zahlreiche Elektronikprodukte, die sich vor nicht allzu langem noch den Platz im Schlafzimmer der Jugendlichen streitig machten, befinden sich mittlerweile in deren Hosentaschen.

Außerdem ist der Cyberspace für jene, die in der Welt der technologischen Freizeit aufgewachsen sind, auch Möglichkeit neuer sozialer Beziehungen: ins Internet einsteigen heißt ins Netz der Freunde, Verwandten, Klassenkameraden und anderer Personen der wirklichen Welt einsteigen. Ihre Vertrautheit mit der Technologie erlaubt ihnen, mit der gleichen Leichtigkeit einen kurzen oder langen Text, ein Foto, ein von ihnen selbst hergestelltes Video, neue Versionen von Liedern, Favoritenlisten, multimedia-Arbeiten, etc. auszutauschen.

Ohne Zweifel: das Spektrum der Möglichkeiten hat sich um ein Angebotsfeld erweitert, das sich großer Attraktivität erfreut. Es gibt eine größere Auswahlmöglichkeit, aber die wichtige Frage bleibt, das Richtige zu wählen. Glücklichsein ist nicht etwas, das “mir einfach passiert”, ohne dass ich mich als freies Wesen aktiv dafür einsetzen müsste. Ich bin es, der die Regeln erkennen muss, die es anzuwenden gilt, stets verbunden mit dem Risiko, in ein billiges carpe diem zu verfallen, in eine Weile der Erholung, die eine schlichte Zerstreuung und Flucht vor der gewöhnlichen Wirklichkeit ist.

Unterhaltung ist keine bloß spontane Tätigkeit ohne Folgen: das Wie deiner Unterhaltung sagt viel darüber aus, wer du bist und wer du sein wirst. In all meinen Entscheidungen, und so auch in der Wahl meiner Unterhaltung, präge ich mein Leben, weil die Art und Weise des Ausfüllens meiner Freizeit keineswegs intranszendent ist: sie bestimmt die Erziehung, die umfassende Bildung, die nichts anderes ist als die harmonische und fortschreitende Entwicklung aller Dimensionen der Person. Jener Mensch wird glücklich, dem es inmitten der Wechselfälle des Lebens gelingt, sein Bestes zu geben.

Die heutigen Möglichkeiten der Freizeitgestaltung von einer humanistischen Seite her zu betrachten hilft, eine weite Sicht zu besitzen, die sowohl übertriebenen Alarmismus, als auch naive Unterbewertung ihrer Auswirkungen vermeidet: wie der Steuermann, der auf offenem Meer den Standort seines Schiffs bestimmt, wenn sich neue Strömungen nähern, und die richtige Fahrtroute wählt, auf der.

Transport in Rom