News
UNIV
2010


Novedades
Interview mit Robert Weber, Präsident des Forum UNIV 2010

1. Warum empfehlen Sie einem Universitätsstudenten die Teilnahme am Forum UNIV?


       Aus vielen Gründen. Was es bedeutet, die Karwoche in Rom zu erleben, würde allein schon Stoff für ein ganzes Interview bieten. Abgesehen davon möchte ich aber zwei Gründe erwähnen, die sich aus der Identität des Forum ergeben. Wir Studenten können vor den Problemen unserer Zeit keine passive Haltung einnehmen, sondern müssen die Gesellschaft voran bringen. Daher nützen zahlreiche Studenten zunächst einmal die Monate vor dem Forum, um über die verschiedenen Aspekte nachzudenken, die das Thema aufwirft. Dabei machen sie sich Gedanken über die Gesellschaft, decken Probleme auf und entwickeln Möglichkeiten, wie sie selbst zu einer Lösung beitragen können.

      Nach dieser Vorbereitungsphase in den einzelnen Ländern bietet dann die Teilnahme am Forum in Rom die Möglichkeit, Studenten aus anderen Kontinenten kennen zu lernen. Sie erfahren, wie andere denken und was sie unternehmen, um die Welt, in der sie leben, zu verbessern; die in der Vorbereitungsphase erstellten Beiträge werden vorgestellt und untereinander ausgetauscht; Freundschaften werden geschlossen. Dies alles stellt eine große Bereicherung dar ... natürlich – am besten, man kommt nach Rom und erlebt das persönlich.

 

2. Welches waren die ausschlaggebenden Gründe für die Auswahl des Themas des Forum UNIV 2010?

 

      In den vergangenen Monaten wurde viel von verschiedenen Krisen gesprochen, deren gemeinsame Wurzel, meiner Meinung nach, in einer Identitätskrise der Gesellschaft selbst liegt. Darauf hat Benedikt XVI. bei mehreren Gelegenheiten hingewiesen. Er hat dabei auch die Gründe aufgezeigt, warum gerade ein christliches Weltbild die beste Basis für das Zusammenleben bildet. Zweifellos müssen die politischen leader angesichts der erwähnten Krisen über die Fundamente der Gesellschaft nachdenken. Aus diesen Bemühungen wird die Gesellschaft eine Bereicherung oder eine Verarmung erfahren. Und in den Universitäten von heute werden die Führungskräfte von morgen herangebildet. Daher erscheint mir das Thema aktueller denn je zu sein.

 

3. Erscheint Ihnen das Thema nicht zu abstrakt? Was hat es mit dem Leben der Mehrheit der Studenten von heute zu tun?

 

      Die heutige Kultur ist komplexer und fragmentierter als je zuvor. Dies erfordert ein spezialisiertes Wissen. Aber man muss auch die den einzelnen wissenschaftlichen Disziplinen gemeinsamen Fundamente im Auge behalten: Die wichtigen Fragen von heute und morgen können nicht isoliert behandelt werden. Daher fördern wir beim Forum einen Austausch von Erfahrungen und Meinungen von Studenten aller Studienrichtungen. Jeder Teilnehmer bringt den Standpunkt seiner Disziplin und seines Universitätslebens ein.

      Neben dieser Interdisziplinarität ist jedoch auch ein einendes Element notwendig, um ein bloßes Nebeneinanderstellen von Meinungen zu vermeiden. Dies ist vielleicht die eigentlichste Aufgabe der Universität. Johannes Paul II. schrieb einmal, dass die Universität der Ort ist, an dem die verschiedenen Blickwinkel des Wissens in einer Synthese zusammenfließen können, die dem Menschen und seiner Bestimmung Sinn gibt. Wenn man sich bewusst macht, welchen Einfluss das Christentum auf die Entfaltung der Wissenschaften genommen hat, so wird klar, dass es auch heute noch wertvolle Impulse bieten kann.

Rachel Ziegler

4. Warum soll gerade das Christentum eine globale Kultur inspirieren? Könnte nicht auch der Islam etwas beitragen? Sollte eine globale Kultur nicht auf die Fundamente jener ethischen Prinzipien gebaut werden, die alle großen Weltreligionen miteinander teilen?

 

      Zunächst erscheint mir wichtig festzustellen, dass es keine Ethik ohne Metaphysik gibt, das heißt keine isolierte Ethik. In diesem Sinne ist die neutrale Gesellschaft, der neutrale Staat, ein Mythos. Jeder Staat, jede Gesellschaft, jede Kultur beruht notwendigerweise auf einem gewissen Menschenbild, einer Vorstellung vom Guten und, letztendlich, von Gott. Je eindeutiger dieses Fundament ausgemacht werden kann, desto eher ist ein Dialog darüber möglich.

      Andererseits weist, wie das Zweite Vatikanische Konzil und Benedikt XVI. wiederholt aufgezeigt haben, das Christentum nichts von dem zurück, was auch andere Religionen an Wahrheit besitzen. Insofern bedeutet es keine Verwerfung anderer inspirierender Triebfedern für eine globale Kultur, wenn jene des Christentums in Betracht gezogen werden.

      Schließlich glaube ich, dass gelegentlich vergessen wird, dass die Kultur, in der wir leben – und ich beziehe mich nicht nur auf die europäische Kultur – zumindest in gewissem Sinne bereits eine Frucht des Christentums darstellt. Schon diese Tatsache allein verdient es, in aller Tiefe erforscht zu werden, und wir hoffen, dass dies im Rahmen des Forum geschieht. Jedenfalls müssen wir, bevor wir an der Schaffung einer globalen Kultur arbeiten können, unsere eigenen Wurzeln kennen. Erst danach kann dieses kulturelle Erbe erneuert werden, um für Gegenwart und Zukunft fruchtbar zu sein.

 

5. Welches ist das Hauptziel für die Teilnehmer am Forum? Was können sie lernen, welche Eindrücke können sie in ihre Länder mitnehmen?

 

      Das Forum UNIV ist eine Erfahrung, die nur schwer in Worte gefasst werden kann. Auf jeden Fall glaube ich, dass das Forum 2010 dazu dienen kann, dass wir zunächst einmal ein neues Bewusstsein der Wurzeln unserer Kultur erlangen können, denn auf ihnen müssen wir die Zukunft erbauen. Dann würde ich als unverzichtbare Ziele Freundschaft und Zusammenarbeit anführen: Die Herausforderungen sind global, und daher müssen es auch die Lösungen sein. In diesem Sinne ist das Forum so etwas wie eine Schule... und vielleicht auch eine Initialzündung. Schlussendlich möchte ich die Hoffnung erwähnen, den Wunsch, die Welt zu verändern: Wenn sich die Regierungen heute um die Verteidigung einer utopischen Neutralität bemühen, dann können wir Studenten eine kreative Minderheit sein, die der Welt, in der wir leben, ein neues Gesicht verleihen kann.

 

 

* Robert Weber (geboren 1977 in Bregenz, Österreich) studierte Rechtswissenschaften in Wien. U.a. arbeitete er am Institut für Europarecht der Universität Graz. Derzeit studiert er Kirchenrecht in Rom.

 

UNIV 2009
1