Interview mit Prof. Umberto Farri (21.1.2003)
„Präsident des Instituts
für universitäre Zusammenarbeit (ICU)“
Umberto Farri (1928-2006) veranstaltete den ersten UNIV-Kongress im
Jahr 1968 in Rom und verfolgte bis zu seinem Tod aus nächster Nähe sämtliche
Folgeveranstaltungen. 1966 gründete er zusammen mit anderen Persönlichkeiten
aus der Universitätswelt das Institut für universitäre Zusammenarbeit
(ICU), dessen Generalsekretär (bis 1996) und Präsident (bis 2006) er
für viele Jahre war. Im Laufe seines Berufslebens wurden ihm zahlreiche
Auszeichnungen verliehen, darunter: Dr. h.c. in Erziehungswissenschaften
der Universität Piura, Peru (1994); Ehrenbürgerschaft von Canton, China
(1996); Ernennung zum cavaliere in der Ehrenordnung der Arbeit durch
den Präsidenten der Republik Italien (2004).
Tausende Studenten aus allen Kontinenten lernten von Umberto Farri,
dass sich der Einsatz im Dienst an der Gesellschaft, angefangen bei
den Bedürftigsten, durch Arbeit und Studium lohnt. Er verstarb im Alter
von 78 Jahren am 13. Oktober 2006 in Rom. Im Laufe seines ganzen Lebens
half er uneigennützig vielen Menschen. Zahlreiche von ihnen bekundeten
nach Empfang der Nachricht seines Ablebens ihre Dankbarkeit und nahmen
an seinen Begräbnisfeierlichkeiten teil.
Welches sind, kurz gefasst, Ziel und Ursprung der UNIV-Treffen?
Die UNIV-Treffen, die vom Institut für universitäre Zusammenarbeit veranstaltet
werden, entstanden 1968 mit dem Ziel, positive Lösungen für den damals
wachsenden Studentenprotest zu bieten. Das Unbehagen der Universitätsangehörigen
– Studenten und Dozenten – angesichts der unvorhergesehen wachsenden
Studentenzahlen, die Krise der Strukturen und vor allem der Wunsch nach
einer Veränderung in der Beziehung zwischen Professoren und Studenten
bildeten eine objektive Realität, die ihre Wurzel im weltweiten sozialen
Wandel Anfang der 70er Jahre hatte. Die Problemanalyse, die Einleitung
eines Dialogs zwischen den Trägern der universitären Gemeinschaft, nicht
nur Rechte einzufordern ohne zunächst die eigenen Pflichten anzunehmen,...
– all dies wurde eine anziehendere und “revolutionärere” Form des Protests.
Darin bestand der Erfolg von UNIV, der bis heute Jahr für Jahr andauert.
Was kann das UNIV-Treffen zum Romaufenthalt eines Studenten beitragen?
Eine intensive und spürbare intellektuelle Öffnung. Aus dem eigenen Umfeld herauszutreten und unsere Probleme mit Leuten vergleichen zu können, die aus anderen Umständen kommen, führt oft zu einem Schock mit positiven Auswirkungen. Es führt dazu, eigene Meinungen neu zu überdenken und zu beginnen, auf einem universaleren, wirklicheren Fundament zu bauen. Es impliziert eine höhere Verantwortlichkeit.
Sie haben unzählige Jugendliche kennen gelernt: Welche Ratschläge würden Sie einem Studenten erteilen? Und einem Professor?
Ich erteile nicht gerne allgemeine Ratschläge. Ich halte es den Personen gegenüber für respektvoller, Rat zu geben, wenn sie darum direkt bitten. Dann ist die Situation konkreter und dies erlaubt eine angemessene Antwort.
Aber um nicht zu enttäuschen und um dem vorher Gesagten nicht zu widersprechen, könnte ich sagen: Zuhören lernen, um unsere Kollegen und Freunde besser zu kennen. Nur so, wenn wir ein wirkliches Interesse an unserem Gesprächspartner zeigen, kann ein Dialog entstehen, der die Festigung einer Beziehung oder den Aufbau einer Freundschaft ermöglicht. Der Heilige Josefmaria Escrivá, der selbst ein sehr begabter Student war und nie aufhörte, die Aktivitäten rund um den UNIV anzutreiben, fasste die Tiefe einer menschlichen Beziehung von wahrer Freundschaft gewöhnlich folgendermaßen zusammen: “Die wahre Liebe besteht mehr im Verstehen als im Geben.”
Ich denke, dass die Jugendlichen – und vielleicht die Studenten ganz besonders – auf der Suche nach etwas Großem sind, für das es sich einzusetzen wirklich lohnt. Vielleicht liegt das Problem gerade darin, dass niemand ihnen grundlegende Lebensvisionen anbietet: Visionen, die sie zunächst übedenken und über die sie sich in der Folge austauschen müssen.
Welches sind, ihrer Meinung nach, derzeit die größten Herausforderungen an die Universität?
Vor allem, jene Funktion weiterhin zu erfüllen, die ihr in den letzten neun Jahrhunderten zukam. Heutzutage muss sie zusätzlich ihre eigenen Beschränkungen erweitern, um die großen kulturellen, wissenschaftlichen, technologischen und sozialen Veränderungen dem universitären Geist einzugliedern. Es ist besonders dieser Geist, der die Menschen dazu führt, in Respekt zur Freiheit ihre Fähigkeit der Wahrheitserkenntnis zu entdecken. Damit es dazu kommt ist es notwendig, dass die universitäre Berufung stets neue Träger findet, die bereit sind, sie zu verkörpern, und dass es wahre Lehrer gibt, die fähig sind, der Gesellschaft eine Dienstgesinnung zu vermitteln.
Wenn Sie mir am Ende erlauben: Wofür haben, Ihrer Meinung nach, so viele Jahre Ihres Lebens im Dienst an den Studenten gedient?
Um mich über die Probleme der Jugend auf dem Laufenden zu halten,… und um jung zu bleiben.
Die Prälatur Opus Dei veranstaltet Tätigkeiten zur christlichen Bildung als Ergänzung zum allgemeinen Programm.
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